In den vergangenen vier, fünf Jahren haben sich die Symptome und Beschwerden meiner Patienten sehr verändert: Standen früher eher die körperlichen Probleme im Mittelpunkt, so geht es heute immer häufiger um emotionale und psychische Belastungen: Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten, Stress, Vergesslichkeit, Stimmungsschwankungen… Längerfristig folgen selbstredend die körperlichen Symptome: Bluthochdruck, hormonelles Ungleichgewicht, Migräne, Verspannungen, Schlafstörungen – es ist ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Doch schauen wir uns die Welt an, in der wir leben: Klimawandel, Kriege, Terrorismus und Umweltkatastrophen – schlechte Nachrichten gehören auf die Tagesordnung. Hinzu kommen Smartphone, Tablet und KI – alle Informationen stehen uns jederzeit aktuell zur Verfügung. Wir werden förmlich überrannt von Neuigkeiten – von seriösen Berichterstattungen bis hin zu höchst bedenklichen Fake News. Social-Media-Kanäle gaukeln uns rund um die Uhr Glück und Erfolg auf allen Ebenen vor, was beispielsweise in einen nie gekannten Schönheitswahn ausufert: Der Zwang zur Selbstoptimierung mittels Botox, Liftings, Tätowierungen, Piercings und sonstigen Eingriffen kennt kaum Grenzen – irgendetwas lässt sich immer noch verbessern.

Bei allem Streben nach Schönheit, Perfektionismus und ewiger Jugend lässt sich nicht verleugnen, dass unsere Gesellschaft immer älter wird. Gerade diese „vielen Alten“ fühlen sich jedoch immer häufiger verloren in der „schönen neuen Welt“: stehen hilflos vor Selbstbedienungskassen, hadern mit QR-Codes oder ergebnislosen Telefonaten mit Versicherungen und Krankenkassen (Drücken Sie die 1,… die 2, wenn Sie…).

Unsere moderne Gesellschaft ist getrieben und wird zugleich ausgebremst. Zu keiner Zeit prasselten so viele Eindrücke und Bilder auf uns ein, nie war der Wunsch nach dem All-Inclusive-Glück größer – schneller, höher, weiter… Die Spirale dreht sich, und es wird immer schwerer, zur inneren Ruhe und Einkehr zu kommen. Selbst Wellness-Urlaube haben sich zu Speed-Weekends entwickelt: vom Thermalbad in die Sauna, zur Massage, Gesichtsbehandlung – dazwischen Basentee und Power-Bowl  und eine Runde geführtes Waldbaden. Zwei oder drei Tage sollen wettmachen, was der Alltag nicht schafft.

Zurück zum Anfang: All das macht was mit uns Menschen. Für körperliches und seelischen Wohlbefinden brauchen wir Ruhe, Zugewandtheit, Pausen, Empathie, Lachen, Berührung, Freude, Bestätigung, Gespräche. Manchmal ist es ja einfach nur ein Lächeln, das uns durch den Tag trägt.

Zugleich stellt sich für mich als Therapeutin die Frage: Was kann ich für meine Patientinnen und Patienten tun, die sich verloren fühlen in Zeit und Raum?

Wichtig ist erst einmal, herauszufinden, was die größte Belastung ist und welche Auswirkungen diese auf das Wohlbefinden hat. Was lässt sich im Alltag dauerhaft verändern? Wo kann ich unterstützen, wenn die Situation gerade keine Veränderung zulässt?

Ein großer Schalthebel ist immer der Blick auf unser Hormonsystem: Hormone sind wie ein Mobile – wenn einer dieser Botenstoffe „abstürzt“ oder „überschießt“, kommen auch die anderen Hormone ins Schwanken. Dauerhafter Stress oder Schlafmangel wirbeln das gesamte System durcheinander. Infolgedessen geraten nämlich auch lebenswichtige Organe aus dem Gleichgewicht: Schilddrüse, Leber, Darm, Nebennieren – sie alle mühen sich ab, die Balance zu halten oder wieder herzustellen. Genau hier lässt sich therapeutisch ansetzen: Eine Unterstützung der hormonregulierenden Organe kann ein erster Schritt zu mehr Ruhe und Gelassenheit sein. Somit können auch Symptome wie Schlafstörungen, Herzrasen, Immunschwäche oder Blutdruckprobleme reduziert und manchmal sogar geheilt werden.

Was aber ist mit unseren Gefühlen wie Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Sorgen um die Zukunft, Kummer und Leid? Wie findet man hier einen Weg aus dem schwarzen Loch? Vorweg sei klargestellt, dass schwerwiegende Depressionen in professionelle Hände gehören und auch der Einsatz von Antidepressiva unvermeidlich sein kann. Bei leichteren Fällen  von Stimmungsschwankungen hält die Natur jedoch eine ganz Anzahl Trost und Zuversicht spendender Arzneimittel bereit: Urtinkturen von Pflanzen, Bachblüten, Aromaöle, homöopathische Konstitutions- und Komplexmittel – viele seit Jahrhunderten in der Natur vorkommende Mittel haben sich als sanfte Wegbegleiter bewährt.

Eine weitere wichtige Rolle können Nahrungsergänzungsmittel spielen – was aber nicht bedeutet, dass es Sinn macht, sich mit zahlreichen Vitamin- und Mineralstoffen „vollzupumpen“, die der Körper mitunter gar nicht alle verarbeiten kann. Überdosierungen von z.B.Vitamin D können durchaus problematisch sein. Deshalb: Erst schauen, wo ein Defizit besteht und welche Produkte effektiv sind, denn gerade im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel wird viel Geld mit minderwertiger Ware gemacht. Gleichwohl ist unsere heutige Nahrung längst nicht mehr so hochwertig wie die unserer Vorfahren: Schlechte Bodenqualität, achtlose Massenverarbeitung, schädigende Zusatzstoffe sorgen für mangelhafte Qualität, so dass Substitutionen durchaus sinnvoll sein können. 

Nicht zu vergessen sind stress- und kummerbedingte Verspannungen und Verhärtungen im Bewegungsapparat, beispielsweise das nächtliche Zähneknirschen oder muskuläre Beschwerden im Schulterbereich. Mit Entsäuerung und Entschlackung des Gewebes lässt sich von innen heraus Linderung verschaffen. Äusserlich können Massagen, Dorn-Breuss-Behandungen, Akupunktur, Basenbäder oder chiropraktische Eingriffe hilfreich sein. 

Häufig unterschätzt und doch so wertvoll ist ein vertrauensvolles Gespräch: sich Sorgen und Kummer im geschützten Raum von der Seele reden zu können, jemanden zu haben, der vorurteilsfrei und voller Empathie zuhört – das ist etwas, was viele Menschen in der heutigen Zeit nicht mehr haben. Dabei macht häufig erst diese Offenheit den Weg für eine geeignete Therapie frei. Nur wenn wir Menschen als Ganzes wahrgenommen werden, können wir auch ganzheitlich eine Linderung unserer Probleme erfahren.